Der amtierende Oberbürgermeister stammt aus den Reihen der Mombacher SPD.

Michael Ebling

 

 

Zur Person

1967 geboren in Mainz-Mombach

2002 – 2006 hauptamtlicher Beigeordneter der Stadt Mainz für Soziales, Jugend, Gesundheit und Wohnen

Seit 2005 Vorsitzender des DRK Kreisverbandes Mainz-Bingen

2006 – 2012 Staatsekretär im Ministerium von Doris Ahnen

 Politischer Werdegang

1983 Eintritt in die SPD

1994 – 2002 Mitglied des Mainzer Stadtrates

1995 – 2007 Vorsitzender der SPD Mombach

1995 – 2002 Ortsvorsteher Mainz-Mombach

2008 – 2017  Vorsitzender der SPD Mainz

Seit 2012 Oberbürgermeister der Stadt Mainz

 

Kindheit und Jugend in Mombach – Stadtteil mit Industrie und Herz

Am 27. Januar 1967 werde ich in Mainz geboren. In dem Mainzer Stadtteil, dessen Vitalität und Bedeutung für Mainz bis heute unterschätzt wird. Dabei waren es die Industriebetriebe in Mombach, wie zum Beispiel die Waggonfabrik, die Mainz nach dem Verlust der rechtsrheinischen Industriegebiete wirtschaftlich wieder auf die Beine geholt haben.

Mein Vater betreibt damals eine Tankstelle mit angeschlossener kleiner Auto-Werkstatt am Ortseingang von Mombach. Sie liegt an der Hauptstraße, der Lebensader von Mombach, an der sich nach der „Waggon“, der Kartonfabrik und der Degussa bis heute kleine Handwerksbetriebe, Einzelhandelsgeschäfte, Banken, Kirchen, die Schule und die Ortsverwaltung aneinander reihen.

Meine Eltern geben meinem älteren Bruder Thomas und mir Liebe, Vertrauen, Zuversicht und die Chance auf eine gute Bildung. Deshalb ist es für sie selbstverständlich, dass ich 1977 nach vier Jahren an der Pestalozzi-Grundschule aufs Gymnasium soll. Da passt es, dass die Stadt Mainz wenige Jahre zuvor das neue Gymnasium Gonsenheim gebaut hat. Der Gemeinschaftskunde-Unterricht, die Auseinandersetzungen um den Nato-Doppelbeschluss, das Ende der sozialliberalen Koalition wecken Anfang der 80er Jahre mein politisches Interesse. Hinzu kommt, dass es in Mombach zu gravierenden sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen kommt. So schließt die „Waggon“, zuletzt hatte dort die Firma Iveco Omnibusse produziert, viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stehen auf der Straße, nicht alle der 2000 Beschäftigten kommen damals in den benachbarten Panzerwerken unter.

Der Weg zur politischen Arbeit 
Mit 16 Jahren entschließe ich mich zur Mitgliedschaft in der SPD. Die damaligen Gründe für den Parteieintritt haben für mich bis heute Gültigkeit: „Gesellschaftliche Solidarität und soziales Miteinander, Mitbestimmung von Bürgerinnen und Bürgern und Toleranz gegenüber Minderheiten, gute Arbeit und Bildungschancen für alle und letztere ohne Blick in den Geldbeutel der Eltern“. Im traditionsreichen Ortsverein der Mombacher SPD finde ich meine politische Heimat. 1983 wird Ursula Distelhut, die spätere SPD-Landtagabgeordnete und Vorsitzende der Stadtratsfraktion, ehrenamtliche Ortsvorsteherin. Sie ist meine erste Förderin als junges Mitglied.

Soziales Engagement
Im Mai 1986 halte ich das Abiturzeugnis in meinen Händen. Bevor ich das Studium der Rechtswissenschaften an der Johannes-Gutenberg-Universität aufnehme, leiste ich meinen Zivildienst ab – damals 20 Monate. Bewusst entscheide ich mich für die Stelle beim Commit Club Behinderter und ihrer Freunde, mein Aufgabengebiet ist die individuelle Betreuung schwerstbehinderter Menschen. Der Dienst kostet Kraft, aber die Arbeit mit den Menschen, ihre Freude über Zuneigung und Hilfe gibt auch Kraft zurück und bringt mir Zufriedenheit.

In dieser Zeit merke ich deutlich, dass ehrenamtliches Engagement eine Gesellschaft lebenswerter macht und soziales Miteinander der Grundstock für ein gelingendes Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft ist. Das trägt mich bis heute. So bin ich seit mehr als sieben Jahren Vorsitzender des Kreisverbands Mainz-Bingen des Deutschen Roten Kreuzes mit 18.000 Mitgliedern sowie Vorsitzender des Stiftungsvorstands der Albert und Loni Simon-Stiftung, die älteren Mainzerinnen und Mainzern ein möglichst unabhängiges Leben im Alter ermöglichen will.

Fassenacht ist für mich ein toller Teil von Mainz, den ich nicht nur erlebe und genieße, sondern schon lange Jahre selbst mache – als Protokoller des Carneval-Vereins „Die Bohnebeitel“. Des Weiteren gehöre ich dem Stiftungsrat der evangelischen Friedenskirche an, in der ich getauft wurde und zur Konfirmation gegangen bin.

Verantwortung für Mombach und für Mainz
Im Januar 1995 trifft die SPD in Mainz ein schwerer Schlag: Die Landtagsabgeordnete Ursula Distelhut, Mombacher Urgestein aus einer traditionsreichen sozialdemokratischen Familie, stirbt im Alter von nur 47 Jahren. Zwölf Jahre lang war sie neben ihrer Mitgliedschaft im Stadtrat, zuletzt als Vorsitzende der Stadtratsfraktion, Ortsvorsteherin von Mombach. Als ich nominiert werde, ihr als Ortsvorsteher nachzufolgen, bin ich gerade 28 Jahre alt und seit zwei Jahren Mitglied im Ortsbeirat. Die folgende erste Direktwahl 1999 geht gut für uns und für mich aus, 64 Prozent der Mombacherinnen und Mombacher schenken mir ihr Vertrauen.

1999 werde ich in den Mainzer Stadtrat gewählt, in den ich ein Jahr zuvor für Eckart Pick nachgerückt war, der als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter sein Ratsmandat niedergelegt hatte. Als kulturpolitischer Sprecher bin ich Ansprechpartner für zahlreiche kommunale Initiativen, die neben dem Staatstheater, dem Unterhaus oder den Museen mit viel ehrenamtlichen Engagement das Kulturleben bereichern. In dieser Zeit arbeite ich als parlamentarischer Mitarbeiter des langjährigen SPD-Landtagsabgeordneten Klaus Hammer und gewinne Einblicke in die Arbeit des Landtags und der Landesregierung, bevor ich 2001 als Grundsatzreferent ins Büro des damaligen Wissenschaftsminister Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner wechsle. Die Arbeit mit ihm im Ministerium macht Spaß, währt aber nicht besonders lange, denn schon ein Jahr später ruft die Stadt Mainz. Die dortige Sozialdezernentin Malu Dreyer wird von Ministerpräsident Kurt Beck als Ministerin für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit in sein Kabinett geholt, der Mainzer Stadtrat wählt mich zu ihrem Nachfolger als Dezernent für Soziales, Jugend, Gesundheit und Wohnen.

Neue Herausforderungen in der Bildungspolitik
In meiner Zeit als Sozialdezernent vertieft sich auch die Zusammenarbeit mit der rheinland-pfälzischen Ministerin für Bildung, Jugend und Frauen, Doris Ahnen. Die Wahl-Mainzerin sorgt dafür, dass die Landesregierung mit einem Förderprogramm für mehr Ganztagsschulen und dem Projekt „Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang an“ den Kommunen beim Ausbau von Betreuungs- und Bildungsangeboten finanziell und programmatisch unter die Arme greift: Rheinland-Pfalz macht sich auf den Weg zum Bildungsland Nr. 1 in der Bundesrepublik. Und seit 2006 gehe ich diesen Weg auf der Landesebene mit, nachdem Ministerpräsident Kurt Beck mich zum Staatssekretär im heutigen Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur ernannt hat. Zunächst verantworte ich im Ministerium die Bereiche Bildung und Jugend und setze im Auftrag von Doris Ahnen die nächste Stufe des Programms „Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang an“ auf die Spur: Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für alle Zweijährigen und weiterer Ausbau der Beitragsfreiheit, damit möglichst alle Kinder den Kindergarten besuchen und zum Beispiel von den vom Land finanzierten Sprachförderprogrammen profitieren können. Gleichzeitig bin ich Amtschef des Ministeriums und trage damit Personalverantwortung für mehr als 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und indirekt für mehr als 50.000 Menschen in Schulen, Hochschulen und Kultureinrichtungen. Später übernehme ich den Bereich Wissenschaft und Forschung, verantworte die Forschungsinitiative Rheinland-Pfalz und fördere die Bewerbungen der Universitäten Mainz und Kaiserlautern im Rahmen der bundesweiten Exzellenz-Initiative. So erhält die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz in der ersten Förderperiode eine Graduiertenschule der Exzellenz „Materials Science in Mainz“ und zählt in der dritten Förderperiode zu den aussichtsreichen Kandidaten für die Förderung weiterer Zukunftsprojekte. In meine Zeit als Wissenschafts-Staatssekretär fällt auch der Zuschlag für die Landeshauptstadt Mainz und ihre Hochschul- und Forschungseinrichtungen als „Stadt der Wissenschaft 2011“.

Den Wurzeln treu geblieben
Auch in den Jahren der landespolitischen Verantwortung und einer bundesweiten Präsenz, zum Beispiel in den Gremien der Kultusministerkonferenz oder des Wissenschaftsrats, bin ich meinen Wurzeln treu geblieben. Ich wohne noch immer in Mombach, nun im eigenen Haus, zusammen mit meinem Partner Andreas Schulz. Die wenige Freizeit, die mir meine berufliche Tätigkeit, die Ehrenämter und seit 2008 der Vorsitz der Mainzer SPD lassen, nutze ich zum Entspannen – mal mit einem Krimi, mal einem Besuch in der Coface-Arena, mal mit interessanten Städtereisen oder mit einem Besuch bei meinen Eltern oder meinem Bruder samt Familie.

Ihr Michael Ebling